Ratgeber UniFi oder FRITZ!Box: wann sich der Wechsel lohnt
UniFi oder FRITZ!Box: wann sich der Wechsel lohnt
Für eine Wohnung ist ein guter Router die richtige Antwort — und wer etwas anderes verkauft, verkauft zu viel. Es gibt aber klare Grenzen, an denen das kippt. Diese Grenzen sind der eigentliche Maßstab.
· Deniz Fritsch, Staatlich geprüfter Techniker der Fachrichtung Elektrotechnik
Wann der Router genügt
Eine Wohnung oder ein kleines Büro auf einer Ebene, eine Handvoll Geräte, keine besonderen Anforderungen an Trennung oder Ausfallsicherheit: Dafür ist ein guter Router gebaut, und er macht seine Sache gut. Ein Wechsel wäre hier ausgegebenes Geld ohne Gegenwert.
Die vier Grenzen
Interessant wird es, sobald mindestens eine der folgenden Aussagen zutrifft. Jede einzelne reicht als Anlass:
1. Mehrere Etagen oder dicke Wände
Ein einzelner Sender kommt physikalisch nicht überall hin. Die übliche Antwort — ein Repeater — verschlimmert das Problem meist: Er benutzt dieselbe Funkstrecke zweimal, einmal zum Gerät und einmal zurück zur Basis. Die verfügbare Bandbreite halbiert sich damit bei jedem Sprung. Mehrere verkabelte Zugangspunkte lösen dasselbe Problem ohne diesen Verlust.
2. Geräte hängen am falschen Zugangspunkt fest
Wer mit dem Notebook oder im Telefonat durchs Gebäude geht, kennt den Effekt: Die Verbindung wird schlechter, obwohl längst ein besserer Sender in Reichweite ist. Endgeräte wechseln von sich aus nur ungern. Eine gemeinsame Steuerung schiebt sie aktiv weiter — das ist der Unterschied, der bei Videokonferenzen und beim Telefonieren über WLAN am deutlichsten auffällt.
3. Es muss getrennt werden
Gäste, Kameras, Produktionstechnik, Buchhaltung — sobald verschiedene Dinge im selben Netz liegen, die dort nicht zusammengehören, braucht es Netzbereiche und Regeln dazwischen. Ein Gäste-WLAN am Router ist ein Anfang, aber kein Ersatz. Warum das mehr als eine Formalie ist, steht im Beitrag über Kameras im Firmennetz.
4. Niemand weiß mehr, was wo hängt
Die unterschätzte Grenze. Wenn bei einer Störung erst gesucht werden muss, welches Kabel wohin führt und welches Gerät welche Adresse hat, kostet jede Störung ein Vielfaches der eigentlichen Reparatur. Eine zentrale Verwaltung, die alle Geräte, Anschlüsse und Verbindungen zeigt, ist im Alltag oft der größere Gewinn als die höhere Geschwindigkeit.
Der ehrliche Maßstab: Es geht nicht um Geschwindigkeit. Wer bei sich zu Hause 500 Mbit misst und im Betrieb 300, hat kein Problem. Ein Problem hat, wer im Kundengespräch aus der Videokonferenz fliegt oder eine halbe Stunde sucht, welcher Anschluss tot ist.
Was ein Wechsel praktisch bedeutet
Nicht, dass alles auf einmal ersetzt wird. Der übliche Weg verläuft in Abschnitten und lässt den Betrieb durchgehend arbeitsfähig:
- Begehung und Messung. Wo trägt das WLAN heute nicht, wo liegen Kabelwege, was ist an Anschlüssen vorhanden.
- Kern zuerst. Ein verwalteter Switch als Mittelpunkt, an den vorhandene Technik zunächst unverändert angeschlossen bleibt.
- Zugangspunkte parallel. Die neuen laufen neben dem alten WLAN. Sind alle Bereiche versorgt, wird das alte Netz abgeschaltet.
- Trennung einziehen. Erst wenn alles läuft, werden Netzbereiche und Regeln eingerichtet — der Schritt, der die eigentliche Ordnung bringt.
Der vorhandene Router bleibt dabei meist bestehen und behält Anschluss und Telefonie. Die Investition verteilt sich über die Abschnitte, statt in einem Schritt anzufallen.
Wie wir das planen und aufbauen, steht unterNetzwerk und WLAN.
Häufige Fragen
Muss der vorhandene Router dann weg?
Nein, in den meisten Fällen bleibt er. Er behält den Anschluss und die Telefonie, gibt die Netzwerkaufgaben aber an die neue Technik ab. Das ist auch der Weg, der einen Wechsel schrittweise möglich macht, ohne den Betrieb anzuhalten.
Was kostet der Unterschied ungefähr?
Ein verwalteter Switch und zwei bis drei Zugangspunkte liegen in einer Größenordnung, die den meisten Betrieben überschaubar erscheint — deutlich unter dem, was ein einzelner Tag Stillstand kostet. Die konkrete Zahl hängt an Fläche und Anzahl der Anschlüsse und ergibt sich erst nach der Begehung.
Bindet man sich damit an einen Hersteller?
In gewissem Maß ja, das ist ehrlich zu sagen. Der Vorteil einer gemeinsamen Verwaltung entsteht dadurch, dass die Komponenten zusammengehören. Der Ausstieg ist möglich — Switches und Kabel bleiben brauchbar, nur die Verwaltung wäre eine andere.
Passt das auf Ihren Betrieb?
Der Beitrag beschreibt den Normalfall. Ob er auf Ihre Anlage zutrifft, klärt sich in wenigen Minuten am Telefon — kostenlos und unverbindlich.